Wieder am Steuer

Bin ich Alkoholiker? Wie ich mein Selbstbild für die MPU reflektiere

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Dreimal bin ich zu einer Selbsthilfegruppe gegangen, dreimal habe ich im Stuhlkreis genickt, wenn jemand von seinem schlimmsten Abend erzählte. Beim vierten Termin habe ich die Jacke schon angehabt und dann wieder ausgezogen. Ich bin nicht hin. Seitdem sitze ich lieber allein hier, auf dem kalten Boden meiner Küche am Rotkreuzplatz, und stelle mir die Frage nach echter Selbstreflexion selbst, ganz ohne Stuhlkreis: Gehöre ich überhaupt in so einen Kreis, oder stecke ich mir vor der Alkohol-MPU nur ein Etikett an, das mir gar nicht zusteht?

Neben mir liegt mein Notizbuch aufgeschlagen, schwarzer Einband, zwei Wörter darauf, dick umkreist: "Abhängigkeit" und, kleiner daneben, "Ausrutscher". Die mintgrünen Fliesen unter mir sind nach einer Stunde auf dem Boden so kalt geworden, dass ich jede einzelne Kante im Kreuzbein spüre. Meine blaue Tasse mit dem Sprung im Henkel steht daneben, der Tee darin längst so kalt wie die Fliesen.

Kurzer Einschub, bevor ich weiterschreibe: In diesem Tagebuch aus Neuhausen erzähle ich vor allem für mich selbst, aber ich verlinke auch die Workbooks, die mir dabei helfen. Kaufst du über einen dieser Links etwas, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich bin keine Psychologin und keine Anwältin, nur eine Frau, die sich gerade selbst sortiert – das hier ersetzt keine Suchtberatung und keinen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Alles Weitere dazu steht auf meiner Über-mich-Seite.

Alkoholikerin oder Ausrutscher: zwei Selbstbilder vor der Alkohol-MPU

Zwei Geschichten laufen seit Tagen parallel in meinem Kopf, und beide klingen ziemlich überzeugend.

Die eine Geschichte ist die bequeme: eine Hochzeit, zu viel Wein, ein Abend, der aus dem Ruder lief, aber sonst? Eine ganz normale Frau mit einem ordentlich gebügelten Blazer und einem vollen Terminkalender. Ich lag über der Grenze, die in Deutschland als absolute Fahruntüchtigkeit gilt, aber die genaue Zahl interessiert mich inzwischen weniger als die Frage, wie oft ich vorher schon knapp daneben lag, ohne dass es jemand bemerkt hat.

Dagegen steht die unbequeme Version: dass Alkohol in den Jahren davor viel öfter mein Feierabend-Ventil war, als ich zugeben wollte, und dass die 1,4 Promille kein Betriebsunfall waren, sondern nur der Abend, an dem es endlich jemand gemerkt hat. Meine Verkehrspsychologin nennt das eine ehrliche Trinkanamnese, eine nüchterne Liste von jedem Anlass, bei dem Alkohol im Spiel war – ich nenne es die unbequemste Hausaufgabe, die ich je hatte.

Welches Wort zählt beim Gutachter mehr – Trennungsvermögen oder Etikett?

Am Ende ist die Frage "Alkoholikerin, ja oder nein" vielleicht die falsche Frage. Meine Psychologin nennt das, worauf es wirklich ankommt, Trennungsvermögen – ob Trinken und Fahren in meinem Kopf zwei komplett getrennte Sachen bleiben können – und daran hängt am Ende mehr als an jedem Etikett, das ich mir selbst gebe oder eben nicht gebe.

Susanne Bäuerle, die ich aus einem Online-Forum für Betroffene kenne, hat mir das mal in zwei Sätzen geschrieben, ohne Mitleid und ohne Umschweife: Der Gutachter will keine Geständnisse hören, er will Einsicht sehen. Das saß, und ich lese den Satz seitdem öfter, als mir lieb ist.

Abstinenz und kontrolliertes Trinken sind in der MPU-Vorbereitung zwei verschiedene Wege

Ob kontrolliertes Trinken oder vollständige Abstinenz der bessere Weg ist, kläre ich hier nicht, dafür gibt es andere Seiten, die sich nur mit genau dieser Entscheidung beschäftigen. Für mich persönlich war Abstinenz die ehrlichere Wahl, einfach weil ich mir kontrolliertes Trinken selbst nie richtig geglaubt hätte.

Vorgestern lag ich abends auf dem Sofa, kurz vor sieben, und merkte nach fünf Minuten, dass sich in meinem Magen nichts zusammenzog – kein Ziehen, kein Warten auf das erste Glas. Fünf Minuten, in denen mein Körper einfach nur dalag, ohne auf irgendetwas zu warten.

Der Abstinenznachweis läuft inzwischen so nebenbei mit, dass ich kaum noch registriere, welcher Test gerade fällig ist. Schlechte Tage markiere ich in meinem Notizbuch trotzdem weiter, nur noch mit einem einzigen Punkt, ohne Kommentar dazu – mehr Protokoll brauche ich für mich nicht.

Am Sonntagabend sitze ich meistens mit dem MPU Masterplan Alkohol auf dem Boden, Modul für Modul, wenn die Fragen allein zu groß werden.

Meine Akte kennt eine Version von mir, die ich selbst kaum wiedererkenne

Als ich Akteneinsicht beantragt und meine eigene Geschichte in Amtsdeutsch gelesen habe, klang die Frau darin fremder als die Frau, die ich jeden Sonntagabend in mein Notizbuch schreibe. Nüchterne Sätze, ein Aktenzeichen, keine Gedankenstriche.

Meine Leberwerte sind für den Gutachter nur eine Zahl unter mehreren, aber für mich fühlten sie sich eine Weile an wie ein zweites, kälteres Selbstbild, das ich mir nicht ausgesucht hatte. Die Begutachtungsleitlinien, nach denen am Ende geurteilt wird, kennen ohnehin keine Kategorie für "einmaliger Ausrutscher" – nur nüchterne Kriterien, mit meinen Notizbuch-Wörtern haben die wenig zu tun.

Sperrfrist, Auflage und die Frage, was davon wirklich mein Selbstbild betrifft

Sperrfrist und MPU-Auflage habe ich am Anfang fröhlich durcheinandergeworfen, als wäre es dasselbe Formular in zwei Farben. Heute weiß ich wenigstens, welches Wort wohin gehört, auch wenn mir das beim eigentlichen Sortieren meines Selbstbildes nicht wirklich weiterhilft.

Das Schwierigste an der ganzen Vorbereitung ist ohnehin nicht das Auswendiglernen von Zahlen rund um den Promille-Abbau. Es ist das Aufbrechen des eigenen Bildes von sich selbst. Ich dachte lange, Alkoholikerinnen sind die Frauen, die morgens schon wanken, nicht ich mit meinem ordentlich gebügelten Blazer und meinem vollen Terminkalender. Aber die MPU fragt nicht nach dem Blazer, sie fragt nach der charakterlichen Eignung.

Genau hier setzt meine Trinkbiografie an, die ich Modul für Modul aufschreibe, wenn ich meine Trinkbiografie für die MPU durcharbeite: Alkohol war viel öfter im Spiel, als mir lieb war – zum Runterkommen nach stressigen Tagen im Büro, zum Feiern, manchmal auch nur, um einen Abend allein leichter zu ertragen.

Am Ende zähle ich nicht Etiketten, sondern Antworten

Dirk Wossidlo, ein ehemaliger Kollege aus der alten Firma, weiß inzwischen von allem – er hat rein zufällig gefragt, warum ich plötzlich keine Fahrgemeinschaft mehr brauche. Seitdem hat er mich kein einziges Mal darauf angesprochen, und genau dieses Schweigen bringt mich manchmal mehr zum Nachdenken als jede Frage im Workbook.

Im psychologischen Gespräch selbst ging es übrigens weniger um perfekte Antworten als um das, was hinter meinen Antworten sichtbar wurde. Beim Leistungstest mit seinen Reaktionsübungen ging es dagegen um gar nichts von alledem, aber die Nervosität davor fühlte sich verblüffend ähnlich an wie die Frage, ob ich mir selbst ehrlich genug bin.

Wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Ich arbeite mit den MPU Vorbereitung Materialien, vor allem mit dem MPU Masterplan Alkohol, wenn ich diese Fragen strukturiert angehen will, statt allein im Kreis zu denken. Susanne aus dem Forum nutzt für ihren Fall übrigens den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, weil ihr Thema in eine andere Richtung geht – die Logik dahinter ist ähnlich aufgebaut.

Zwei Wörter liegen immer noch nebeneinander in meinem Notizbuch, aber ich muss mich heute Abend nicht zwischen ihnen entscheiden. Wichtiger ist die Antwort auf die andere Frage – ob ich Trinken und Fahren ehrlich getrennt bekomme –, und die fällt mir inzwischen leichter als jedes Etikett. Ich mache jetzt die kalte Tasse weg und klappe das Notizbuch zu.

Deine Office Managerin aus Neuhausen.

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