
Ich blättere im MPU-Masterplan-Workbook zurück, will noch mal nachlesen, was ich zum Trennungsvermögen notiert hatte – und lande unvermittelt bei Seite 47. Keine Ahnung, wie ich in meinem Abstinenz-Tagebuch so weit gekommen bin, aber genau in diesem Moment merke ich, wie oft mich Leute fragen, was ich eigentlich trinke, seit meine Alkohol-MPU läuft. Alkoholfreie Getränke sind für mich längst kein Notbehelf mehr, sondern ein fester Teil meiner MPU-Vorbereitung geworden.
Kurzer Disclaimer vorweg: Ich verlinke hier Hilfsmittel, die ich selbst nutze – kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. Ich bin weder Verkehrspsychologin noch Anwältin, nur jemand mitten im eigenen Verfahren, und alles Weitere zur Offenlegung steht auf meiner Über-mich-Seite.
Was trinke ich, wenn alle um mich herum anstoßen?
Am Kiosk am Stiglmaierplatz reicht manchmal ein einziger Blick in die Kühltruhe, und schon ist sie wieder da, diese Unsicherheit: Was bestelle ich, ohne dass Fragen kommen?
Mein Abstinenzprogramm steht für mich nicht zur Debatte, also gehe ich lieber auf Nummer sicher, auch wenn das bedeutet, zum dritten Mal am Abend nach Sprudel zu fragen. Im MPU Masterplan Alkohol Workbook habe ich einiges zum Trennungsvermögen gelesen, aber zwischen der Theorie auf dem Papier und einer echten Kneipentheke liegen manchmal Welten.
Eine Nachbarin von mir macht gerade beim Stadtradeln mit und ist praktisch jedes Wochenende auf dem Radweg Richtung Dachau unterwegs – solche Fragen stellt sich bei ihr niemand, weil ohnehin nur Wasser in der Flasche ist.

0,0 Prozent und meine MPU-Vorbereitung
Rein rechtlich ist ein Getränk mit der Aufschrift "alkoholfrei" nicht wirklich komplett bei null – wie genau das im Detail geregelt ist, will ich hier gar nicht auswalzen, dafür gibt es an anderer Stelle auf diesem Blog bessere Erklärungen. Für meinen Abstinenznachweis heißt das für mich trotzdem: Ich schaue heute bei jedem Etikett zweimal hin, bevor ich zugreife.
Ob ein alkoholfreies Bier eher ein Schritt Richtung kontrolliertes Trinken ist oder einfach nur ein anderes Wort für Abstinenz, kläre ich an einem einzigen Abend sicher nicht endgültig für mich. Beim Sortieren meiner alten Trinkanlässe fällt mir aber auf, wie oft ich genau solche Getränke früher nur als lästige Pause zwischen den echten Drinks abgestempelt habe.
Der Vorsatz, der nach Weihnachten nie kam
Nach den Feiertagen wollte ich richtig ernst machen – kein Zufallsprinzip mehr beim Testen, sondern ein System, eine Liste, ein fester Plan für jede Woche. Der Plan ist ungefähr genauso schnell wieder eingeschlafen, wie er entstanden ist, und ich habe wochenlang einfach das gegriffen, was zufällig im Kühlschrank stand.
Im Notizbuch daneben kratzt der Kugelschreiber übers karierte Papier, auffällig laut, wenn ich so einen gescheiterten Vorsatz aufschreibe – als würde das Blatt jeden Rückfall in alte Bequemlichkeit besonders deutlich festhalten.
Gastronomie und Feiern: der Druck bleibt
Wer beruflich hinter einer Bar oder einem Tresen steht, hat es nach allem, was ich aus dem MPU-Forum mitbekomme, oft schwerer als ich im Büro – dort kann ich mich hinter meiner Kaffeetasse verstecken, während am Tresen ständig ein Probier-Schluck angeboten wird oder ein Gast anstoßen will.
Beim MPU Gespräch üben gerate ich an genau solchen Stellen oft ins Stocken, wenn es um diese sozialen Situationen geht. Meine Verkehrspsychologin fragt in unseren Gesprächen dann gern nach meinem Plan B, und der sieht mittlerweile so aus, dass ich Getränke wähle, die gar nicht erst wie Alkohol aussehen wollen – eine Rhabarberschorle mit viel Eis wirkt im Glas nach Feierabend, ohne alte Muster zu triggern.

Welche alkoholfreien Getränke haben mir wirklich geholfen?
Echtes 0,0-Prozent-Bier ist für mich der verlässlichste Griff geworden, auch wenn der Geschmack oft süßlicher und fast ein bisschen brotig wirkt – dafür weiß ich, dass da kein Alkohol drinsteckt, der meinen nächsten Test gefährden könnte. Alkoholfreies Weißbier dagegen macht mir bis heute ein schlechtes Gewissen, selbst wenn rein körperlich nichts zu spüren sein sollte – der Kopf spielt da einfach nicht mit. Am wenigsten funktioniert bei mir alkoholfreier Gin Tonic: Ein einziger Schluck reicht, und mein Gehirn verknüpft den Geruch der Botanicals sofort mit alten Kater-Erinnerungen, obwohl im Glas gar nichts drin ist, was das eigentlich auslösen könnte.
Was mir dabei am meisten Halt gibt, ist trotzdem nicht das Getränk selbst, sondern die Struktur aus dem MPU Masterplan Alkohol Workbook – besonders die Fragen zum Trennungsvermögen haben mir gezeigt, dass es nie nur ums Nicht-Trinken beim Fahren ging, sondern darum, wieso ich überhaupt zum Glas gegriffen habe. Wenn ich mich heute für ein alkoholfreies Getränk entscheide, ist das für mich eine bewusste Entscheidung für meine charakterliche Eignung und gegen die alten Automatismen.
Für Leute, die eher mit anderen Substanzen kämpfen, gibt es vom selben Anbieter auch den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs – eine Bekannte aus dem Forum arbeitet damit, für mich persönlich war aber der Fokus auf Alkohol und meine eigene Trinkbiografie entscheidend. Ich musste erst lernen, meine Trinkbiografie für die MPU zu schreiben, bevor mir wirklich klar wurde, wie oft alkoholfreie Getränke früher für mich nur eine lästige Pause zwischen den echten Drinks waren.

Was heute noch in meinem Kühlschrank steht
Im Kühlschrank stehen inzwischen zwei, drei Favoriten für die harten Tage, dazu literweise Tee, der sowieso meistens kalt wird, bevor ich überhaupt dazu komme, ihn zu trinken.
Manchmal fühlt sich der Verzicht trotzdem nach Verzicht an und nicht nach Gewinn, besonders wenn die U7 abends voll mit feiernden Leuten ist und ich nur nüchtern danebenstehe.
Offen darüber zu reden, was funktioniert und was nicht, hilft mir inzwischen mehr als jedes perfekte Testergebnis, deshalb schreibe ich solche Abende auch auf, wenn es um mein Selbstbild für die MPU zu reflektieren geht. Falls du gerade selbst überlegst, was du bestellen sollst, ohne dass jemand nachfragt: Fang einfach mit einem Getränk an, das dir wirklich schmeckt, und beobachte in Ruhe, was das mit dir macht, bevor du dir Gedanken über alles andere machst.