Wieder am Steuer

Wie ich ehrliche Motivation für die MPU finde ohne Auswendiglernen

Seite 47. Ich weiß bis heute nicht, wie ich dahin gekommen bin, eigentlich wollte ich nur kurz nachsehen, wo ich beim letzten Mal aufgehört hatte, und dann lag das Workbook vor mir aufgeschlagen bei einer Seite, die ich noch nie gesehen hatte, mit meiner eigenen Handschrift am Rand, die blaue Tasse mit dem Sprung daneben, der Tee darin schon lange kalt. So fühlt sich meine Alkohol-MPU-Vorbereitung im Moment an, auf dem Küchenboden meiner Wohnung in Neuhausen: Ich blinzle einmal, und plötzlich bin ich viel weiter, als ich dachte.

Kurzer Hinweis, bevor ich weiterschreibe: In diesem Text stecken Affiliate-Links, unter anderem zum MPU Masterplan Alkohol, den ich selbst durcharbeite. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision — für dich ändert sich am Preis nichts. Ich bin keine Verkehrspsychologin und keine Anwältin, nur eine 36-Jährige, die ordentlich Mist gebaut hat und das hier ehrlich aufschreibt.

Monatelang dachte ich, ich müsste nur die richtigen Sätze finden. Foren durchforstet, Formulierungen kopiert, mir selbst vor dem Spiegel vorgesagt: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und werde nie wieder trinken." Der Satz stimmt sogar. Trotzdem klang ich wie eine schlecht vorbereitete Bewerbung, nicht wie ich selbst.

Warum auswendig gelernte Sätze beim Gutachter nicht funktionieren

Der Gutachter merkt das natürlich sofort. Bei der charakterlichen Eignung geht es nicht darum, einen Text möglichst sauber vorzutragen, sondern darum, ob das, was du sagst, mit dem übereinstimmt, was du tatsächlich fühlst. Neulich am Stiglmaierplatz, auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch, habe ich mir im Kopf noch einmal meine auswendig gelernte Version zurechtgelegt, und mitten auf dem Bürgersteig gemerkt, dass ich selbst nicht daran glaube. Kein gutes Gefühl, kurz bevor ich sowieso schon überlegen musste, ob ich die MPU überhaupt erwähne.

Abstinenz-Tagebuch mit Punkten für schlechte Tage während meiner MPU-Vorbereitung in Neuhausen

Ehrliche Trinkanamnese heißt für mich inzwischen, nicht nur den Abend mit 1,4 Promille anzuschauen, sondern auch die Wochen davor — warum ich die Grenze in meinem Kopf immer wieder verschoben habe. Das lernt man nicht durch Vokabeln pauken, sondern indem man sich selbst unbequeme Fragen stellt. Ein guter Einstieg war für mich der Text darüber, wie man Trinkgewohnheiten für die MPU reflektiert — danach bin ich ehrlicher mit mir selbst umgegangen.

Eine MPU-Vorbereitungs-App, zwei Tage, dann gelöscht

Im Januar habe ich mir eine dieser MPU-Vorbereitungs-Apps aufs Handy geladen, mit Erinnerungen und kleinen Quizfragen zu Promillewerten. Nach zwei Tagen habe ich sie wieder gelöscht. Die Fragen fühlten sich an wie ein Multiple-Choice-Test, bei dem am Ende doch nur die richtige Antwort zählt — also genau das Gegenteil von dem, was mir wirklich weiterhilft. Eine MPU-Vorbereitung, die bei mir funktioniert, braucht keinen Erinnerungston, sondern Zeit, in der ich mich selbst nicht belüge.

Als Office Managerin war ich es gewohnt, Listen abzuhaken, Termine, Deadlines, erledigt. Die MPU lässt sich so aber nicht behandeln. Nach einem langen Bürotag noch einmal in die eigenen Abgründe zu schauen, kostet Kraft, die an manchen Abenden einfach nicht mehr da ist, und dann schlage ich das Workbook nur auf, um die Aufgabe schnell hinter mich zu bringen, ohne wirklich bei der Sache zu sein. Ohne eigene Antworten fühlt sich die ganze Vorbereitung manchmal an wie eine Wanderung ohne Karte im Nebel; die Richtung stimmt ungefähr, aber jeder Schritt bleibt Vermutung.

Melanie hat das offenbar gespürt, bevor ich es selbst zugeben konnte. Sie schickt mir in solchen Momenten grundsätzlich eine Sprachnachricht statt einer Textnachricht, als könnte sie durchs Telefon hören, wenn bei mir etwas nicht stimmt. Diesmal fragte sie nur, ob ich schon wieder das Workbook anstarre, ohne reinzuschreiben.

Ich habe ihr die Wahrheit gesagt.

Seite 47 und eine Frage, die ich nicht erwartet hatte

In der siebten Woche nach der Anordnung ist bei mir irgendetwas gekippt, ohne dass ich einen genauen Moment benennen könnte. Auf einmal stand da nicht mehr die Frage, was ich sagen muss, damit der Gutachter zufrieden ist, sondern was eigentlich wahr ist. Das Modul zum Trennungsvermögen im MPU Masterplan Alkohol hat mich dabei ziemlich kalt erwischt; es fragt nicht nach Theorie, sondern danach, wann ich in meinem eigenen Alltag die Grenze zwischen einem Glas und zu viel verschoben habe.

Markus, den ich beim MPU-Infoabend kennengelernt habe, schreibt mir manchmal sonntagnachts, wenn er selbst nicht schlafen kann. Neulich fragte er, ob das Lehrgespräch bei der Begutachtungsstelle auch bei mir dieses Gefühl auslöst, direkt durchschaut zu werden. Ja, genau das. Der Abstinenznachweis mit den ETG-Werten macht es nicht leichter; Zahlen lassen sich nicht schönreden, so wie man sich einen Satz zurechtlegen kann.

Gelber Behördenbrief zur Alkohol-MPU auf dem Küchentisch in München-Neuhausen

Der gelbe Brief mit der offiziellen Anordnung kam im November letzten Jahres, unspektakulär zwischen Werbung und einer Rechnung. Ich habe ihn sofort geöffnet, auch wenn mir dabei schlecht war, und danach ging plötzlich alles schnell: erster Termin, erste Unterlagen, erste schlaflose Nacht auf genau diesem Küchenboden.

Bei meiner Verkehrspsychologin saß ich letzte Woche wieder mit einer viel zu glatten Antwort da. Sie hat mich nur angeschaut und gefragt, ob ich mir das gerade selbst glaube. Ich musste nein sagen. Seitdem versuche ich, mich beim Vorbereiten weniger zu kontrollieren; das Workbook liegt manchmal tagelang auf dem Küchenstuhl, ohne dass ich es anfasse, weil ich merke, dass ich gerade nicht ehrlich genug bin. Und das lasse ich inzwischen einfach so stehen.

Was bleibt, wenn ich nichts mehr auswendig lerne?

Eine Bekannte aus einem Online-Forum bereitet sich gerade auf ihre Drogen-MPU vor und nutzt dafür das FLEX3 Online MPU Drogen Programm. Für meinen Fall passt das nicht direkt, aber sie hat mir erzählt, dass es bei ihr auf dasselbe hinausläuft: Verantwortung übernehmen, statt sie auf die Umstände zu schieben. Genau das ist der Teil, den keine App und kein auswendig gelernter Satz ersetzen kann.

Ich habe aufgehört zu sagen, ich hätte einfach Pech gehabt bei der Kontrolle, und angefangen zu sagen, dass ich verantwortungslos gehandelt habe, als ich mit 1,4 Promille ins Auto gestiegen bin. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist es aber nicht; für die charakterliche Eignung ist das fast alles. Wie dieser Wandel im Kopf bei mir abgelaufen ist, habe ich ausführlicher in meinem Beitrag über den Einstellungswandel bei der MPU aufgeschrieben.

Was von alldem bleibt, wenn ich nichts mehr auswendig lerne? Vor allem das: aufhören, in Foren nach den immer gleichen Erfolgsgeschichten zu suchen, weil meine eigene ohnehin anders klingt. Mir Zeit für die unangenehmen Fragen nehmen — warum ich getrunken habe, was mir der Alkohol an diesem Hochzeitsabend gegeben hat, was ich mir selbst nicht geben konnte. Den MPU Masterplan als Leitplanke nehmen, nicht als Drehbuch, weil die eigentliche Arbeit sowieso niemand für mich übernehmen kann. Und mir selbst gegenüber nachsichtig bleiben, an Tagen, an denen ich nur die Zimmerdecke anstarren will — auch das gehört offenbar dazu.

MPU Masterplan Workbook aufgeschlagen bei Seite 47 während meiner MPU-Vorbereitung

Mittlerweile geht es mir nicht mehr darum, die MPU als Hürde zu überspringen, sondern als eine Art Spiegel zu benutzen, in den ich wirklich hineinschauen muss. Das MPU Gespräch ohne Auswendiglernen zu üben bedeutet für mich inzwischen, einfach ich selbst zu bleiben — nur eben die Version von mir, die Verantwortung übernimmt. Die Punkte, mit denen ich schlechte Tage in meinem Abstinenz-Tagebuch markiere, werden dabei nicht weniger, aber ich belüge mich ihretwegen nicht mehr.

Falls du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst und dich fragst, woher die Motivation kommen soll: Fang klein an. Setz dich irgendwohin, wo du ehrlich sein kannst, und gib dir fünf Minuten ohne Ausreden. Das bringt mehr als jeder auswendig gelernte Gutachten-Satz. Wenn du eine Struktur suchst, die dir hilft, diese Ehrlichkeit überhaupt in Worte zu fassen, findest du meinen Weg hier: Mein Weg durch die MPU Vorbereitung.

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