Wieder am Steuer

Bessere MPU Vorbereitung zu Hause dank einer klaren Struktur im Masterplan

Der Sektglas-Stand auf dem Elisabethmarkt hat mich heute nicht eine Sekunde aufgehalten. Früher wäre ich stehengeblieben, hätte mir vorgestellt, wie das Prickeln auf der Zunge schmeckt. Heute laufe ich einfach weiter, den Marktbeutel in der einen Hand, im Kopf schon bei der nächsten Seite in diesem Selbsthilfe-Tagebuch. Genau an so einem stillen Moment merke ich, wie sehr sich mein Bild von einer echten MPU-Vorbereitung zu Hause verschoben hat, weg von einem Mythos, an den ich nach meiner Alkohol-MPU-Aufforderung selbst geglaubt habe.

Nach dem Abend mit 1,4 Promille dachte ich, die Aufforderung im Briefkasten sei nur ein Formular, das man eben abarbeitet. Dass ein Wert in dieser Höhe automatisch als absolute Fahruntüchtigkeit gilt, wusste ich zwar schon vorher, rein theoretisch, aus dem Internet. Es dann schwarz auf weiß in einem amtlichen Schreiben zu lesen, war trotzdem etwas anderes.

Der Mythos: Zu Hause vorbereiten heißt einfach durchhalten

Lange dachte ich, es reicht, nicht mehr zu trinken und die Zeit verstreichen zu lassen. Kein Alkohol, Zähne zusammenbeißen, warten, bis der Begutachtungstermin kommt. Mehr nicht. Dieser Glaube hat mich einiges gekostet — nicht in Geld, sondern in verlorener Zeit.

Es gab diesen gelben Brief von der Begutachtungsstelle, der drei Wochen lang ungeöffnet in meinem Briefkasten lag. Ich wusste ja angeblich schon, was drinsteht: einfach nicht trinken, dann wird das schon von selbst gut. Also schob ich den Umschlag jedes Mal weiter nach hinten, wenn ich die restliche Post herausnahm. Als ich ihn endlich aufriss, roch das Papier leicht nach der Schublade, in der er zwischendurch gelandet war — mein Notizbuch daneben riecht bei geschlossenem Küchenfenster übrigens ähnlich, nach trockenem Papier und ein bisschen nach alter Tinte.

Drei Wochen lang war das keine Vorbereitung. Das war Vermeidung mit einem netteren Namen. Erst als ich den Brief wirklich las, wurde mir klar, wie viele einzelne Themen sich dahinter verstecken: Themen, die mit reinem Durchhalten nichts zu tun haben.

Handschriftliches Notizbuch mit markierten schlechten Tagen als Teil der Alkohol-MPU Vorbereitung zu Hause

Die Bausteine, die die eigentliche MPU-Vorbereitung ausmachen

Am Ende stecken hinter jeder MPU-Vorbereitung viele kleine Baustellen gleichzeitig, und keine davon lässt sich mit bloßem Durchhalten lösen. Da ist das Trennungsvermögen, über das ich beim psychologischen Gespräch zum ersten Mal wirklich nachdenken musste, nicht nur in Stichpunkten. Da ist die Frage, wie ich meinen Tathergang schildere, ohne mich in Ausreden zu verstricken. Und da ist der Einstellungswandel, den man angeblich einfach behaupten kann — jeder Gutachter merkt trotzdem sofort, ob das echt ist oder auswendig gelernt klingt.

Parallel dazu läuft die andere Baustelle: der Abstinenznachweis, der im Hintergrund tickt. Die Abstinenz, die ich fortlaufend belegen muss, ohne dass mir das je jemand einfach abnimmt. Dazu kommt der Versuch, meine Trinkgewohnheiten für die MPU zu reflektieren, ohne mir dabei die bequeme Version der Geschichte zu erzählen. Ich markiere schlechte Tage in einem eigenen Protokoll, weil ein einzelner guter Monat gar nichts beweist. Und irgendwo dazwischen taucht immer wieder die Frage nach den Leberwerten als Konsummarker auf, oder die Grundsatzfrage, ob kontrolliertes Trinken für mich je wieder infrage kommt oder ob es bei Abstinenz bleibt.

Und dann die Bürokratie obendrauf: die Begutachtungsleitlinien, die angeblich jede und jeder kennen sollte, aber kaum jemand wirklich gelesen hat. Die Akteneinsicht, die ich mir erst aktiv holen musste, um zu verstehen, was überhaupt über mich notiert ist. Der Leistungstest und der Reaktionstest, vor denen ich mehr Respekt hatte als vor dem eigentlichen Gespräch. Der Unterschied zwischen Sperrfrist und MPU-Auflage, den ich anfangs komplett durcheinandergebracht habe. Und ganz am Rand die Entscheidung, ob ein Kurs oder eine Einzelberatung besser zu mir passt — eine Frage, die ich bis heute nicht endgültig beantwortet habe.

Markierte Seiten im persönlichen MPU-Masterplan als Struktur-Hilfe für die MPU-Vorbereitung

Ehrlichkeit statt Beruhigungsfloskeln einholen

Ein früherer Leser, Benjamin Jost aus Laim, hat mir vor einer Weile geschrieben, weil er sich in einem meiner ersten Einträge wiedererkannt hat. Er sagt nie, das werde schon. Er beschreibt stattdessen genau, wie ein bestimmter Termin für ihn war, was ihn überrascht hat, was er komplett falsch eingeschätzt hatte. Für mich ist das der eigentliche Unterschied zwischen echter Struktur und bloßer Beruhigung: Die einen versprechen, dass alles gut wird, die anderen erzählen, was tatsächlich passiert ist.

Meine Bekannte aus dem Fitnessstudio hier in München-Neuhausen, Nicole Fesenmeyer, hat sich aus ganz anderen Gründen entschieden, ein Jahr komplett auf Alkohol zu verzichten. Sie redet darüber wie über ein Trainingsziel, ohne Drama, ohne großes Geständnis, einfach eine Herausforderung, die sie sich selbst gesetzt hat. Von ihr habe ich mitgenommen, dass Struktur nicht zwingend nach Krise klingen muss. Manchmal ist sie einfach ein Plan, den man Schritt für Schritt abarbeitet, so nüchtern wie ein Trainingsplan an der Pinnwand im Studio.

Solche Begegnungen zeigen mir, wie unterschiedlich Struktur aussehen kann. Bei mir bedeutet sie inzwischen auch, mich bewusst in Situationen mit Trigger-Potential zu bewegen, so wie damals alkoholfrei auf dem Sommerfest in München unterwegs zu sein, oder eben am Sektglas-Stand auf dem Elisabethmarkt vorbeizulaufen, ohne stehen zu bleiben. Nicht um mich selbst wie in einem Spiel zu testen, sondern um zu merken, ob die Veränderung wirklich sitzt oder nur auf dem Papier gut aussieht.

Ich bin keine Verkehrspsychologin und keine Suchttherapeutin. Ich bin einfach eine Frau, die nach einer einzigen Kontrolle gelernt hat, wie viele Zahnräder in so einem Verfahren ineinandergreifen. Bei rechtlichen Fragen gehört das Gespräch in eine Kanzlei für Verkehrsrecht, bei echten Alkoholproblemen in eine Suchtberatung, nicht in ein Notizbuch auf einem Küchenboden.

Was tritt an die Stelle des reinen Durchhaltens?

Der Mythos vom bloßen Durchhalten hält sich hartnäckig, weil er sich so einfach anhört. Die ehrlichere Version: sich jede der Baustellen einzeln vornehmen, bevor ein Brief, ein Termin oder eine Frage der Verkehrspsychologin einen dazu zwingt. Trennungsvermögen, Trinkanamnese, Tathergang, Akteneinsicht: jedes Thema für sich, statt alles auf einmal verdrängen zu wollen. Genau das, und nicht das bloße Zählen der Tage ohne Alkohol, ist für mich inzwischen die eigentliche Struktur im Masterplan.

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