
Es ist dieser eine Moment am Sonntagabend, wenn das Viertel zur Ruhe kommt. Ich sitze auf dem Dielenboden meiner Küche in Neuhausen, der Tee in der Tasse neben mir ist längst kalt geworden, und ich höre nur das kratzige Geräusch meines Kugelschreibers auf dem Papier des Workbooks. Draußen bellt der Hund des Nachbarn – ein kurzes, hohles Geräusch in der Stille der Winzererstraße – und ich starre auf meine Notizen zum ETG-Wert.
Ich war Office Managerin. Ich habe hunderte Termine koordiniert, Budgets verwaltet und für alles eine Excel-Tabelle gehabt. Aber diese MPU-Vorbereitung? Die lässt sich nicht einfach in eine Tabelle pressen. Seit ich im letzten November diesen offiziellen Brief im Kasten hatte, versuche ich, mein Leben als „die Frau, die mit 1,4 Promille erwischt wurde“ mit meinem Berufsalltag zu vereinbaren. Spoiler: Es ist verdammt hart, die charakterliche Eignung zu beweisen, während man im Büro so tut, als wäre alles beim Alten.
Der Perfektions-Druck: Warum mein erster Plan scheiterte
Als die Aufforderung kam, dachte ich: „Okay, das ist jetzt mein Projekt.“ Ich habe mir im Januar, in diesen grauen, eiskalten Wochen, einen Lernplan erstellt. Jeden Abend zwei Stunden. Ich wollte alles über das Trennungsvermögen lernen und meine Trinkbiografie lückenlos aufarbeiten. Aber wisst ihr, was passiert ist? Nichts. Ich saß abends auf dem Sofa, starrte die Zimmerdecke an und war einfach nur leer. Die Schuldgefühle wegen der Fahrt im Spätsommer 2025 saßen mir wie ein Stein in der Magengrube.
Ich habe das Workbook in diesen Wochen im Januar nicht ein einziges Mal aufgeschlagen. Wenn Kollegen fragten, warum ich immer noch mit der U7 zum Westfriedhof fahre statt mit dem Auto, habe ich gelogen. „Das Auto ist in der Werkstatt“ oder „Ich will mehr für die Umwelt tun“. Die Wahrheit – dass ich meinen Führerschein direkt an der Straße abgegeben habe, weil ich den gesetzlichen Grenzwert für absolute Fahruntüchtigkeit von 1,1 Promille mit meinen 1,4 deutlich überschritten hatte – brachte ich nicht über die Lippen.

Chaos statt Struktur: Die Rettung durch Mikro-Einheiten
Irgendwann im Frühling habe ich begriffen, dass ich die MPU nicht wie eine Fortbildung für das Büro behandeln kann. Der psychologische Druck, mich jeden Abend „perfekt“ vorzubereiten, hat mich gelähmt. Ich habe angefangen, meine Vorbereitung in chaotische Mikro-Einheiten zu zerlegen. Statt der zwei Stunden am Abend nutze ich jetzt zwanzig Minuten in der Mittagspause im Park oder die Fahrt in der U-Bahn.
Ich nehme mir eine einzige Frage aus dem Vorbereitungsprogramm vor. Nur eine. Zum Beispiel: „Was waren meine inneren Motive für den Alkoholkonsum an jenem Samstagabend?“ Ich schreibe meine Gedanken dazu auf lose Zettel, während ich mein Sandwich esse. Es muss nicht schön aussehen. Es muss nur ehrlich sein. Diese kleinen Momente im Stress des Alltags helfen mir, die Fassade ein Stück weit fallen zu lassen. Es ist fast so, als würde ich die MPU-Vorbereitung in die Risse meines Alltags schmuggeln, damit sie mich nicht mehr so erdrückt.
In einem meiner früheren Einträge habe ich schon mal darüber geschrieben, wie es sich anfühlt, die Bessere MPU Vorbereitung zu Hause dank einer klaren Struktur im Masterplan anzugehen, aber die echte Herausforderung bleibt, diese Struktur auch dann zu halten, wenn der Chef gerade Überstunden verlangt oder die Mailbox überquillt.
Das Herzklopfen am Rotkreuzplatz
Trotz aller Organisation gibt es diese Momente, in denen der Körper schneller reagiert als der Kopf. Letzten Monat, an einem warmen Abend im August, bin ich am Rotkreuzplatz spazieren gegangen. Plötzlich sah ich einen Streifenwagen, der dort parkte. Sofort spürte ich dieses stechende, enge Gefühl in der Brust. Mein Herz raste. Dabei war ich zu Fuß unterwegs! Ich bin seit Monaten abstinent, sammle brav meine Abstinenzbelege für die geforderten 6 Monate und habe nichts zu befürchten. Aber das Trauma dieser Nacht sitzt tief.
Diese körperlichen Reaktionen zeigen mir, dass die MPU-Vorbereitung viel mehr ist als das Auswendiglernen von Fakten über Blutalkoholkonzentrationen. Es geht um die Aufarbeitung eines Selbstbildes, das Risse bekommen hat. Wenn ich dann zu Hause auf meinem Küchenboden sitze, versuche ich, diese Angst in Worte zu fassen. Das ist Teil meines „Lernens“. Ich schreibe es auf. Nicht für den Gutachter, sondern für mich.

Konkrete Tipps für den MPU-Alltag im Job
- Lunch-Reflektion: Nutze die Mittagspause für eine einzige, schwere Frage. Nicht mehr.
- Audio-Notizen: Wenn das Schreiben zu anstrengend ist, spreche ich meine Gedanken in mein Handy, während ich zum Supermarkt gehe.
- Der Notfall-Zettel: Ich habe immer einen kleinen Zettel in der Tasche mit meinen wichtigsten Fortschritten (z.B. „Woche 42 ohne Alkohol“), um mich in schwachen Momenten zu erden.
- Ehrlichkeit zu sich selbst: Wenn ich einen Tag habe, an dem gar nichts geht, mache ich mir einen kleinen Punkt im Kalender und akzeptiere es.
Wenn die Motivation im Keller ist
Es gab diesen einen Freitag vor ein paar Wochen. Eine Geburtstagsfeier im Büro. Überall Sekt. Ich habe mir ein Glas eingeschenkt und es einfach vor mich hingestellt, damit niemand fragt: „Warum trinkst du nichts?“ Ich habe es nicht angerührt, keinen Schluck. Aber es war ein dummer, unnötiger Test. Ich wollte beweisen, dass ich „normal“ sein kann.
Abends saß ich dann wieder hier in Neuhausen und habe mich geschämt. Warum brauche ich dieses Glas als Schutzschild? Solche Rückschläge in der Einstellung gehören dazu. Ich habe das dann am nächsten Sonntag in mein Tagebuch geschrieben. Es ist wichtig, auch das Scheitern zu dokumentieren. Ich bin keine Expertin, keine Therapeutin und keine MPU-Beraterin. Ich bin nur eine 36-Jährige, die versucht, ihren Mist aufzuräumen. Wenn du rechtliche Fragen hast, such dir bitte einen Fachanwalt für Verkehrsrecht, und bei echten Suchtproblemen sind Beratungsstellen der einzig richtige Weg.

Ich merke oft, wie sehr mich der Austausch mit anderen Betroffenen stützt. Vor kurzem habe ich darüber nachgedacht, wie man die MPU Vorbereitung ohne Berater: Wie ich den Masterplan im Alltag nutze kann, ohne dabei den Verstand zu verlieren. Es geht darum, sich selbst nicht zu verlieren, während man versucht, die Anforderungen des Staates zu erfüllen.
Die Vorbereitung neben dem Beruf ist ein Marathon, kein Sprint. Es ist okay, wenn die Lernmaterialien mal eine Woche unter einem Stapel Rechnungen verschwinden. Wichtig ist nur, dass man sie wieder herholt. Dass man sich den Tee neu aufbrüht, auch wenn er wieder kalt wird, und sich erneut die Frage stellt: Wer will ich sein, wenn ich diesen Führerschein irgendwann wieder in den Händen halte? Für heute klappe ich das Workbook zu. Das Kratzen des Stifts verstummt, und ich schaue noch ein bisschen aus dem Fenster auf die dunklen Dächer von Neuhausen.