
Spät an einem Sonntagabend sitze ich auf den kalten Küchenfliesen in Neuhausen, die Beine an die Schranktür gelehnt und den Becher Pfefferminztee längst vergessen. Vor mir liegt das aufgeschlagene Heft, Kapitel vier, die linierte Seite noch fast weiß. Kalte Küchenfliesen durch dicke Wollsocken, das leise Ticken der Heizungsrohre und ein gelber Textmarker, der feuchte Tinte über das Papier verwischt – das ist meine Kulisse, um mich endlich der Frage zu stellen, wer ich eigentlich war, bevor die Polizei mich im Spätsommer aus dem Verkehr zog.
Ein kurzer, ehrlicher Hinweis vorab: In diesem Text teile ich Empfehlungen für Materialien, die ich selbst genutzt habe. Bei einem Kauf über diese Affiliate-Links erhalte ich eine kleine Provision – für dich bleibt der Preis exakt derselbe. Ich bin keine Verkehrspsychologin, keine Rechtsanwältin und führe keine Suchttherapie durch. Ich bin einfach eine Münchnerin, die nach einer Trunkenheitsfahrt ihr Leben aufräumt. Bei rechtlichen Fragen brauchst du einen Verkehrsrechtsanwalt, bei Alkoholproblemen eine Suchtberatungsstelle.
Der erste Entwurf: Die bequeme Lüge vom puren Arbeitsstress

Als ich im Spätherbst letzten Jahres die formale MPU-Aufforderung im Briefkasten fand, dachte ich noch, die Sache ließe sich wie ein anstrengendes Projekt im Büro abarbeiten. Als Office Managerin war ich es gewohnt, Chaos in saubere Tabellen zu verwandeln. Ich setzte mich hin und schrieb meine erste „Lebensgeschichte“ für das psychologische Gespräch herunter.
Es las sich wie ein glattgebügeltes Märchen: anstrengende Wochen im Job, ständiger Termindruck, dazu die Hochzeit meiner Bekannten an jenem Samstagabend. Ein unglücklicher Ausrutscher. Ein einmaliges Versagen. Ich starrte auf den Satz „Ich habe wegen des Arbeitsstresses getrunken“ und dachte: Genau das ist der Satz, mit dem man durchfällt.
Denn tief im Inneren wusste ich, dass die gemessenen 1.4 Promille keine spontane Laune waren. Ein Körper toleriert so einen Wert nicht einfach so beim ersten Mal, ohne dass einem die Sinne schwinden. Ich hatte jahrelang trainiert. Ich hatte verlernt, Grenzen zu spüren. Wenn du wissen willst, wie tief dieser Schock anfangs sitzt, habe ich damals aufgeschrieben, wie ich das Gefühl des Scheiterns nach der Trunkenheitsfahrt verarbeite. Das Märchen von der perfekten Angestellten, die nur ein einziges Mal Pech hatte, zerbrach auf diesen Fliesen.
Was die Gutachter wirklich suchen: Keine Perfektion, sondern Motive
An einem bitterkalten Sonntagabend im März begriff ich nach endlosen Gesprächen und vielem Nachdenken endlich, worum es im psychologischen Teil der Begutachtung geht. Die offiziellen Beurteilungskriterien fordern eine schonungslose Aufarbeitung. Nicht im Sinne einer Selbstkasteiung, sondern als Ursachenforschung. Man kann die Medizinisch-Psychologische Untersuchung nicht austricksen, indem man den Musterschüler spielt.
Der Gutachter will nicht hören, wie schrecklich man alles findet. Er will sehen, ob man begriffen hat, welche Funktion der Alkohol über Jahre hinweg erfüllt hat. Trinken ist fast nie die Ursache; es ist ein fehlerhafter Lösungsversuch für ganz andere Defizite.
Statt meine Vergangenheit pauschal als moralischen Totalausfall abzustempeln, musste ich meinen Blickwinkel komplett drehen. Es ging darum, den Fokus radikal auf die unbewussten psychologischen Bedürfnisse zu legen, die das Trinken damals scheinbar erfüllt hat. Alkohol war für mich kein Genussmittel mehr gewesen, sondern ein Feierabend-Schalter. Ein chemisches Werkzeug, um das ständige Gedankenkreisen abzuschalten, das Gefühl des Nicht-Genügens wegzuschwemmen und mir die Erlaubnis zu geben, endlich lockerzulassen.
Struktur im Chaos: Die Arbeit mit dem Masterplan

Nach etwa sechs Monaten Abstinenz kam der Moment, an dem mein freies Tagebuchschreiben nicht mehr reichte. Ich drehte mich im Kreis. Da begann ich, mich intensiv mit dem MPU Masterplan Alkohol zu beschäftigen. Das Workbook wurde mein sonntäglicher Leitfaden hier auf dem Küchenboden.
Was mir an dem Material geholfen hat, waren die ungeschönten Fragestellungen zum Trennungsvermögen und zur inneren Motivlage. Kein psychologisches Fachchinesisch, sondern Fragen, die einem direkt in die Magengrube fahren. Warum konntest du an jenem Abend nicht nein sagen? Welche Gefühle wolltest du betäuben? Das Workbook zwingt einen dazu, die Chronologie nicht an äußeren Meilensteinen festzumachen, sondern an emotionalen Tiefpunkten.
Natürlich ist so ein Kurs kein Zaubermittel. Wenn ich das Heft zwei Wochen liegen ließ, musste ich oft wieder von vorne ansetzen, um den roten Faden nicht zu verlieren. Und die ehrlichen Antworten auf die Selbstreflexionsfragen spuckt kein Video aus – die muss man sich selbst mühsam abringen. (Wer übrigens wegen ganz anderer Substanzen bangt: Eine Bekannte aus einer MPU-Gruppe schwört auf den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, der denselben systematischen Ansatz für Betäubungsmittel nutzt, was mir bei meiner reinen Alkoholthematik verständlicherweise wenig nützte.)
Wer wissen möchte, wie ich meine Sonntage rund um diese Aufgaben organisiere, kann nachlesen, wie das MPU Masterplan Workbook meine Vorbereitung am Sonntag strukturiert. Den aktuellen Preis für den Kurs schaust du dir am besten direkt beim Anbieter an, da dieser gelegentlich angepasst wird.
Von der Ausrede zur Verantwortungsübernahme

Vor wenigen Wochen, im beginnenden Herbst, saß ich wieder an meiner Zeitleiste. Neben mir lag der frische Laborbefund der Haaranalyse: ein Ethylglucuronid-Wert weit unter dem Grenzwert von 7 pg/mg, der für die lückenlose Abstinenz gefordert wird. Drei Zentimeter Haare, drei Monate nachweisbare Klarheit. Doch dieser Zettel beweist nur, dass mein Körper sauber ist – nicht, dass mein Kopf es auch ist.
Der eigentliche Durchbruch beim Schreiben meiner Lebensgeschichte passierte, als ich die Schuldzuweisungen strich:
- Nicht: „Die Kollegen haben mir zu viel Arbeit aufgeladen.“ Sondern: „Ich konnte keine Grenzen setzen und habe den Frust abends hinuntergeschluckt.“
- Nicht: „Auf der Hochzeit herrschte Gruppenzwang.“ Sondern: „Ich hatte Angst, ungesellig oder langweilig zu wirken, wenn ich beim Wasser bleibe.“
- Nicht: „Ich fühlte mich fit genug zum Fahren.“ Sondern: „Meine Kontrollfähigkeit war durch regelmäßigen Konsum so verzerrt, dass ich die Gefahr komplett ignorierte.“
Diese Erkenntnisse tun weh. Sie kratzen gewaltig am Ego einer Frau Mitte dreißig, die dachte, sie hätte ihr Leben im Griff. Doch genau diese Ehrlichkeit ist das Fundament für die sogenannte charakterliche Eignung. Der Gutachter sucht jemanden, der sein altes Risikoverhalten versteht – denn nur wer versteht, warum er gefallen ist, kann einen Rückfall in Zukunft verhindern. Manchmal hilft es auch zu sehen, was ich aus meinen schlechten Tagen im MPU Tagebuch über mich lerne, wenn der Kopf wieder Ausflüchte sucht.
Das Workbook schließen und nach vorne blicken
Wenn ich heute mit graphitverschmierten Fingern das Notizbuch zuklappe, fühlt sich die Leere in der Küche anders an als noch vor einem Jahr. Nicht mehr panisch, sondern aufgeräumt. Meine Lebensgeschichte ist kein makelloser Lebenslauf für eine Bewerbung. Sie enthält peinliche Brüche, verdrängte Ängste und eine Nacht, die mich meinen Führerschein gekostet hat.
Aber indem ich die psychologischen Bedürfnisse hinter dem Glas Wein von damals enttarnt habe, verliert der Alkohol seine Macht über meine Zukunft. Ich brauche ihn nicht mehr, um abzuschalten – dafür habe ich heute andere Wege gelernt. Und genau das ist die Geschichte, die ich im Gutachten erzählen werde. Nicht auswendig gelernt, sondern Schritt für Schritt durchlebt.