Wieder am Steuer

Wie ich meine Einstellung zum Fahren ohne Alkohol neu bewerte

Offenlegung: Diese Seite enthält Partnerlinks. Kaufen Sie über einen dieser Links, erhalte ich eine kleine Provision -- Ihr Preis bleibt gleich.

Ich bin heute Abend wieder an meinem alten VW Polo vorbeigelaufen. Er steht immer noch in der Seitenstraße in Neuhausen, fast genau da, wo ich ihn vor über einem Jahr abgestellt habe. Er sieht traurig aus unter der dicken Staubschicht auf der Windschutzscheibe – und jedes Mal, wenn ich die matten Scheiben sehe, kriege ich dieses stechende, hohle Gefühl im Magen. Als hätte ich etwas Wichtiges dort drin vergessen, zu dem ich keinen Schlüssel mehr habe.

Es ist jetzt Sonntagabend, Woche 54 ohne Führerschein, wenn ich mich nicht verzählt habe. Ich sitze auf meinen Küchenfliesen, der Tee neben mir ist schon wieder eiskalt geworden und draußen rattert die Tram Richtung Rotkreuzplatz vorbei. In meinem Notizbuch starre ich auf das Wort „Trennungsvermögen“. Ein Wort, das sich so technisch anhört, aber eigentlich mein ganzes altes Leben infrage stellt.

Hinweis: Mein Tagebuch enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, aber für dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle hier nur das Workbook, das ich selbst auf meinem Küchenboden durcharbeite. Ich bin keine Verkehrspsychologin oder Anwältin – das hier ist mein persönlicher Weg. Bei rechtlichen Fragen brauchst du einen Fachanwalt, bei Suchtfragen eine echte Beratungsstelle.

Der Moment, als die 1.4 zur Realität wurde

Lange Zeit habe ich mir eingeredet, dass dieser Spätsommerabend 2025 einfach nur Pech war. Eine Hochzeit, gute Stimmung, „nur noch einer“. Dass ich mit 1.4 Promille kontrolliert wurde, war für mich ein Ausrutscher. Ich dachte: „Ich fahre doch sicher, ich merke doch gar nichts.“ Aber genau das ist das Problem. In Deutschland gilt man ab 1.1 Promille als absolut fahruntüchtig – egal, wie sehr man glaubt, alles im Griff zu haben.

Ich habe letzte Woche im MPU Masterplan Alkohol Modul 3 aufgeschlagen. Da geht es ans Eingemachte. Ich musste dreimal den gleichen Satz wegradieren, weil ich immer wieder versucht habe, meine Fahrt als Ausnahme zu rechtfertigen. Aber die Wahrheit ist: Wenn man mit 1.4 Promille noch glaubt, man könne ein Auto steuern, dann hat man ein massives Problem mit der Selbsteinschätzung. Mein altes Bild von mir als „verantwortungsbewusste Fahrerin“ war eine Fassade, die ich mir über Jahre aus Gewohnheit aufgebaut hatte.

Nahaufnahme eines MPU-Workbooks mit dem Fokus auf das Thema Trennungsvermögen.

Das Problem mit dem Feierabendbier in der Gastro

Was es für mich so schwer macht, ist mein Umfeld. Bevor ich Office Managerin wurde, habe ich jahrelang in der Gastro gearbeitet, und viele meiner Freunde tun das immer noch. In Bars und Restaurants gehört der Alkohol dazu wie das Salz in der Suppe. Das „Personalgetränk“ nach der Schicht, das Anstoßen mit Stammgästen – das sind Rituale, die man kaum hinterfragt. Wenn man in diesem Umfeld arbeitet, ist die ständige Präsenz von Alkohol normal.

Klassische Tipps wie „Meide Orte, an denen getrunken wird“ funktionieren da nicht, wenn man dort arbeitet oder seine sozialen Kontakte hat. Ich musste schmerzhaft lernen, dass mein Trennungsvermögen nicht bedeutet, nie wieder eine Bar zu betreten, sondern die Entscheidung gegen das Fahren zu treffen, lange bevor das erste Glas überhaupt eingeschenkt wird. Oder eben, in meinem Fall jetzt: gar nicht erst zu trinken, um die Kontrolle über mein Urteilsvermögen zu behalten.

Warum das Workbook mehr ist als nur Vorbereitung

Ich habe mich früher immer gefragt, warum die Leute so eine Angst vor der MPU haben. Jetzt weiß ich es: Es ist nicht der Test an sich. Es ist die Spiegelung des eigenen Verhaltens. Wenn ich sonntagabends hier sitze und meine ETG-Werte (das sind die Marker für den Abstinenznachweis) in die Liste eintrage, dann ist das ein ehrliches Protokoll meiner eigenen Zuverlässigkeit. Die Reflektion meiner Trinkgewohnheiten im Notizbuch war am Anfang echt hart.

Manchmal liege ich einfach nur auf dem Sofa und starre die Decke an, weil ich mich frage, wie ich so blind sein konnte. Ich dachte, ich hätte alles unter Kontrolle. Aber die MPU-Aufforderung im November war der Weckruf, den ich anscheinend gebraucht habe. Es geht nicht darum, dem Gutachter etwas vorzuspielen. Es geht darum, wirklich zu verstehen, warum ich damals eingestiegen bin.

Ein kleiner Moment, der diese Woche nicht geklappt hat: Ich war auf einem Geburtstag und habe mir ein Glas Sekt vor mich hingestellt, nur damit niemand fragt, warum ich nichts trinke. Ich habe es nicht angerührt, aber es war ein dummer Test. Ich wollte mich „normal“ fühlen. Aber am Ende fühlte es sich nur wie eine Lüge an. Ich hätte einfach sagen sollen: „Nein danke, ich trinke nicht mehr.“ Das wäre wahre charakterliche Eignung gewesen.

Ein neuer Blick auf die U7 nach Westfriedhof

Heute schätze ich Dinge, die ich früher gehasst habe. Die U7 Richtung Westfriedhof zum Beispiel. Früher war sie nur ein lästiges Transportmittel, wenn das Auto mal in der Werkstatt war. Heute ist sie mein Sicherheitsnetz. Wenn ich mit der Bahn fahre, muss ich mir keine Gedanken über Trennungsvermögen machen. Ich bin sicher. Für mich und für die anderen auf der Straße.

Falls du auch gerade an dem Punkt bist, wo du den Wald vor lauter MPU-Paragrafen nicht siehst: Es hilft, Struktur reinzubringen. Mir hat es geholfen, nicht alles auf einmal zu wollen. Ich nutze den MPU Masterplan wie einen roten Faden, damit ich nicht im Chaos versinke. Es ist keine Abkürzung, aber es ist eine Karte für den Nebel. Schau dir auch mal an, wie man die Trinkmenge richtig berechnet, das war für mich so ein Aha-Moment.

Die MPU ist kein Hindernislauf, den man irgendwie „bestehen“ muss, um sein altes Leben zurückzubekommen. Es ist eine Haltestelle. Eine Chance, die Bremse zu ziehen, bevor wirklich etwas Schlimmeres passiert wäre als ein verlorener Lappen. Ich bin noch nicht am Ziel, aber ich sitze zumindest nicht mehr betrunken am Steuer. Und das ist ein verdammt guter Anfang für einen Sonntagabend in Neuhausen.

Verwandte Artikel