Wieder am Steuer

Wie ich Freunden ehrlich von meinem Führerscheinverlust wegen Alkohol erzähle

Ich sitze auf meinen Küchenfliesen in Neuhausen, der Tee ist längst kalt, und ich starre auf eine WhatsApp-Einladung zum Grillen im Umland. „Kommst du mit dem Auto oder soll ich dich an der S-Bahn einsammeln?“, steht da. Mein Daumen schwebt über der Tastatur. Früher hätte ich sofort „Auto“ getippt. Heute ist alles anders.

Hinweis: In meinem Tagebuch teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zurück zum Führerschein. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links – wenn du über einen Link etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle nur Dinge, die ich selbst nutze, wie mein Workbook. Ich bin keine Verkehrspsychologin oder Anwältin. Bei rechtlichen Fragen brauchst du einen Fachanwalt, bei Alkoholproblemen eine Suchtberatung. Meine Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.

Die Sache mit der Werkstatt in Dachau – Warum Lügen so anstrengend ist

Nachdem sie mich letzten Spätsommer nach der Hochzeit mit 1.4 Promille aus dem Verkehr gezogen haben, war meine erste Reaktion: Verstecken. Bloß niemanden wissen lassen, dass die Office Managerin, die sonst alles im Griff hat, ihren Lappen an der Straße abgeben musste. Ich habe drei Wochen lang behauptet, mein Auto stünde in einer Werkstatt in Dachau, nur um keine Mitfahrgelegenheit erklären zu müssen. Jedes Mal, wenn jemand fragte, wie es dem Wagen geht, erfand ich neue Ersatzteile, die angeblich Lieferschwierigkeiten hatten.

Das raue Papier meines Notizbuchs unter den Fingern und das leise Summen des Kühlschranks in der stillen Küche erinnern mich jeden Sonntagabend daran, wie einsam diese Lügen machen. Es ist dieser Moment, in dem man merkt, dass man sich nicht nur vor den anderen schämt, sondern vor sich selbst. Im grauen November, als die MPU-Aufforderung dann wirklich im Briefkasten lag, wusste ich: Das mit der Werkstatt kann ich nicht ewig durchziehen. Irgendwann kommt die Frage nach der MPU, nach dem Abstinenznachweis und warum ich plötzlich die U7 nach Westfriedhof nehme, statt wie früher entspannt mit dem Audi ins Büro zu rollen.

Nahaufnahme eines Tagebuchs mit durchgestrichenen Notizen über eine erfundene Werkstatt-Lüge.

Der Wendepunkt: Wenn das Workbook zur Wahrheit zwingt

Vor etwa sechs Monaten, als ich gerade tief im MPU Masterplan Alkohol steckte, bin ich beim Modul zum Thema Trennungsvermögen hängen geblieben. Es geht dabei nicht nur darum, Alkohol und Fahren physisch zu trennen, sondern auch darum, die eigene Einstellung ehrlich zu reflektieren. Ein innerer Monolog hämmerte in meinem Kopf: Wenn ich es nicht mal schaffe, meinen Freunden die Wahrheit zu sagen, wie soll ich dann vor dem Gutachter bestehen? Die charakterliche Eignung fängt nicht erst beim Termin an, sie fängt beim Kaffeetrinken mit der besten Freundin an.

Wer lügt, hat noch nicht reflektiert. Das ist die bittere Pille, die ich schlucken musste. In meinem Tagebuch habe ich diese Woche keinen kleinen schwarzen Punkt für einen schlechten Tag gemacht, sondern eine Notiz über die Erleichterung, die Wahrheit nicht mehr verstecken zu müssen. Es ist ein Prozess, ehrliche Motivation für die MPU zu finden, und dazu gehört eben auch das Outing im Freundeskreis.

Ein Nachmittag am Rotkreuzplatz – Die nackte Wahrheit

Letzten Mittwoch habe ich mich mit einer engen Freundin in einem Café am Rotkreuzplatz getroffen. Ein brennendes Gefühl im Nacken und feuchte Handflächen überfielen mich, als die Frage „Warum fährst du eigentlich nicht?“ ganz beiläufig im Gespräch fiel. Mein Herz klopfte bis zum Hals. Ich hätte wieder lügen können. „Ach, der Wagen... immer noch Dachau.“

Stattdessen sagte ich: „Ich habe keinen Führerschein mehr. Ich wurde mit 1.4 Promille angehalten.“

Stille. Nur das Klappern der Kaffeetassen um uns herum. Und dann? Kein Entsetzen. Keine Verurteilung. Nur ein tiefes Durchatmen ihrerseits und die Frage, wie es mir damit geht. Ich habe ihr alles erzählt: Von der Kontrolle nach der Hochzeit, vom ETG-Wert in meinen Urinproben und davon, dass ich jetzt seit Monaten abstinent lebe. Es war, als würde ein tonnenschwerer Rucksack von meinen Schultern gleiten. Ich musste nicht mehr aufpassen, was ich sage.

Smartphone auf einem Cafétisch zeigt eine Nachricht über den Verzicht auf das Auto.

Die Falle der Trinkkultur: Wenn „Nein“ sagen als Verrat gilt

Ein besonderes Problem sind Freunde aus Vereinen oder Gruppen mit einer sehr starken Trinkkultur. In meinem alten Tennisclub in München ist das Glas Sekt nach dem Spiel fast schon Gesetz. Wenn man dort sagt, dass man wegen Alkohol den Führerschein verloren hat, erntet man oft zwei Reaktionen: Entweder mitleidiges Belächeln („Ach, die Pechvogel-Nummer, hätte jeden treffen können“) oder ein fast schon aggressives Unverständnis, warum man jetzt gar nichts mehr trinkt.

Hier versagen die Standard-Tipps zur Abstinenzkommunikation oft. In solchen Gruppen wird das Offenlegen des Fehlers manchmal als Verrat am Gruppengeist gesehen. Man erinnert die anderen an ihr eigenes Risiko, denn die gesetzliche Promillegrenze von 0.5 Promille ist schneller erreicht, als die meisten nach zwei Schorlen wahrhaben wollen. Ich habe gelernt, dass ich in diesen Momenten sehr klar bleiben muss. Ich bin kein Moralapostel, ich erzähle nur meine Geschichte. Ich habe Mist gebaut, und die MPU ist meine Quittung. Wer das als „unentspannt“ abtut, ist vielleicht gerade nicht der richtige Umgang für mich.

Wie ich heute damit umgehe (Woche 52 ohne Führerschein)

Jetzt, fast ein Jahr nach dem Vorfall, ist die Wahrheit mein wichtigster Begleiter geworden. Ich habe gemerkt, dass Geduld bei der MPU Vorbereitung auch bedeutet, den sozialen Druck auszuhalten. Wenn ich heute auf einer Party bin, stelle ich mir manchmal noch ein Glas Sekt vor mich hin, damit niemand fragt – so wie neulich am Freitag bei einer Geburtstagsfeier. Ich habe es nicht angerührt, aber es war ein dummer Test an mich selbst, den ich eigentlich gar nicht mehr brauche. Wahre Freunde akzeptieren das „Nein“, ohne dass ich die ganze MPU-Akte auf den Tisch legen muss.

Mein Workbook, der MPU Masterplan Alkohol, liegt immer griffbereit neben meinem Notizbuch. Die Übungen helfen mir, die richtigen Worte zu finden, wenn ich doch mal wieder ins Straucheln gerate. Es ist kein einfacher Weg, und ich weiß, dass ich vor dem Gutachter noch einmal ganz anders „ausgepackt“ werden muss. Aber die Übung mit meinen Freunden war das beste Training für meine Glaubwürdigkeit.

Das MPU Masterplan Workbook liegt aufgeschlagen auf einem Tisch in einer Münchner Wohnung.

Mein Fazit für diesen Sonntagabend

Wenn du in der gleichen Situation steckst: Fang klein an. Such dir einen Menschen, dem du blind vertraust. Es muss nicht gleich der ganze Stammtisch sein. Die Erleichterung, nicht mehr lügen zu müssen, gibt dir so viel Energie für die eigentliche Vorbereitung zurück. Es geht nicht nur darum, die MPU zu bestehen, sondern darum, wieder ein Mensch zu werden, der sich im Spiegel anschauen kann, ohne wegzusehen.

Schau dir vielleicht mal an, wie ich als Office Managerin Struktur in das Chaos gebracht habe. Ordnung im Kopf fängt mit der Wahrheit an. Falls du eher im Bereich Betäubungsmittel unterwegs bist, hat eine Bekannte aus einem Forum gute Erfahrungen mit dem FLEX3 Online Kurs für Drogen gemacht, aber für uns „Alkoholfälle“ ist das Workbook mein persönlicher Anker.

Der Tee ist jetzt wirklich eiskalt. Ich werde jetzt die WhatsApp-Nachricht beantworten. „Ich komme mit der S-Bahn. Ich trinke nichts und freue mich auf den Abend.“ Absenden. Einatmen. Ausatmen. Wir schaffen das.

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